Di 20 Jun 2006
Futebol. Fussball - die brasilianische Kunst des Lebens.
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Brasilien ist nicht arm an Fußballtriumphen. Aber ein entscheidender fehlt. Seine Bewohner können schreien und heulen, das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1950 hat Brasilien nicht gewonnen. Kaum ein anderes Spielergebnis hat einen so starken und fortwährenden Einfluß auf das Seelenleben einer ganzen Nation gehabt.
“Für mich ist jenes Spiel immer noch Gegenwart. Die Geschichte ist nicht zu Ende”, stöhnt Isaías. Er war 1948 am Bau des Maracanã Stadions beteiligt und macht jetzt Führungen für Besucher. Seine täglichen Kommentare gehören zu einem expandierenden Universum oft eigenwilliger Anstrengungen, jene Niederlage zu bewältigen…
Wieder dribbelte Ghiggia an Bagode vorbei und rannte in den Strafraum. Anstatt wie beim ersten Tor zu flanken, schoß Ghiggia aus dem Lauf. Der Winkel war spitz, und Barbosa hatte den Schuß nicht erwartet. Er hechtete in die linke Ecke, aber es war zu spät. Tor für Uruguay. Der Fußballtempel war so still wie ein Grab. Ghiggia sagte viele Jahre später: “Nur drei Menschen haben mit einer einzigen Bewegung das Maracanã-Stadion zum Schweigen gebracht: Frank Sinatra, Papst Johannes Paul II und ich.”
Es existieren Filmausschnitte von jenem schicksalhaften Tor. Die Kamera steht hinter den “Fatalen Pfosten”, etwas links davon. Die Bilder zeigen, wie Ghiggia rasch näherkommt. Als sein linker Fuß auf die Strafraumlinie tritt, wirbelt weißer Staub auf. Die Kamera folgt dem Ball Richtung Netz, verliert ihn aber plötzlich. Auf der Suche nach dem Ball schwenkt die Kamera zurück zu dem Pfosten, in der Annahme, daß Ghiggia nicht getroffen hat. Doch dann entdeckt sie das Leder in der äußersten Torecke. Barbosa erhebt sich langsam. Er steht da mit hängenden Schultern, ein geschlagener Mann. Für Roberto Muylaert, den Biographen von Barbosa, ist dieser Schwarz-Weiß-Film vergleichbar mit Abraham Zapruders Zufallsbildern von Dallas. Das Tor und der Gewehrschuß, der Kennedy tötete, haben “die gleiche Dramatik… die gleiche Bewegung, den Rhythmus… die gleiche Präzision einer unauffialtsamen Flugbahn…” Sie haben sogar den aufgewirbelten Staub gemeinsam - einmal von einem Gewehr, das andere mal von Ghiggias linkem Fuß.
Paub Perdigäo schreibt in Anatomie einer Niederlage, eine obsessiv-detaillierte und brillante Analyse des Spiels: “Bis heute ist es das berühmteste Tor in der Geschichte des brasilianischen Fußballs… kein anderes Sportereignis reicht an seinen Status heran… es wurde zu einem historischen Moment im Leben der Nation.”
Damals spielte das Fernsehen noch keine Rolle. Fast 10 Prozent der Bevölkerung von Rio befand sich im Stadion. Das Spiel wurde aus nächster Nähe und in unmittelbarer Gegenwart erlebt. Wohl nichts vermag so viele Brasilianer mehr aus der Fassung zu bringen, als ihre Nationalmannschaft im größten Stadion der Welt in den letzten Minuten gegen ein Nachbarland verlieren zu sehen. Als die Massen das Maracanã Stadion verließen, kam es nur zu einer gewalttätigen Handlung: Die Granitbüste von Bürgermeister Ângelo Mendes de Moraes - der Übereifrige, der vor Spielbeginn “den Siegern salutierte” - wurde umgestoßen.
Alex Bellos, geb. 1970, der sich selbst als Fußballnarr bezeichnet, hat während seiner Tätigkeit als Südamerika-Korrespondent für den “Guardian” und den “Observer” vier Jahre lang die Geschichte des brasilianischen “Futebol” bis ins kleinste Detail recherchiert.
Alex Bellos: Futebol. Fussball: Die brasilianische Kunst des Lebens.
Fischer 2005, 397 Seiten, ISBN: 3596165806
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Gerry und Sewell leben in Gateshead bei Newcastle und sind die dicksten Freunde. Gerry ist klein und zäh, Sewell dagegen groß und stark. Keiner von beiden hat lange die Schule besucht. Beide sind notorisch pleite. Aber beide haben ein Ziel vor Augen: Sie wollen jeder eine Dauerkarte von Newcastle United. Und dafür brauchen sie Geld. Viel Geld.
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Gleich sein erstes Buch machte Nick Hornby mit einem Schlag berühmt: “Fever Pitch” hat beim Publikum und bei den Journalisten wahre Begeisterungsstürme entfacht. Hornbys Buch war bahnbrechend, weil es als erstes auf den Punkt brachte, was Fußballbesessenheit in all ihren ernsten und komischen Facetten ausmacht.